Freitag, 14. September 2018

Höflichkeit - eine Grundtugend im Unterricht


Im Gegensatz zur Freundlichkeit, mit der man vertraute Menschen behandelt, ist die Höflichkeit stark durch gesellschaftliche Normen und Umgangsformen geprägt und drückt sich oft durch respektvolle Distanz aus.
Je nach Kultur und Epoche finden sich sehr unterschiedliche Ausprägungen dessen, was als höflich gilt. Allgemein gültige Höflichkeitsregeln, die für alle Kulturen gelten, lassen sich daher nicht finden.
Eine zusammenfassende allgemeine Definition lautet in an Arthur Schopenhauer angelehnter Formulierung: „Höflichkeit ist ein sprachliches oder nichtsprachliches Verhalten, das zum normalen Umgang der Menschen miteinander gehört und den Zweck hat, die Vorzüge eines anderen Menschen indirekt zur Erscheinung zu bringen oder ihn zu schonen, wenn er vielleicht nicht vorzüglich sein will.“ Die zugehörigen Verhaltensformen bezeichnet man – technisch, das heißt nicht moralisch wertend – entweder als negative oder als positive Höflichkeit: „‚negative Höflichkeit‘, die auf Schonung und Entlastung des anderen bedacht ist“, im Gegensatz zur „‚positive[n] Höflichkeit‘, die Sympathie, Aufmerksamkeit und Neugierde für den anderen zeigt.“ Eine solche gerade nicht distanziert-kühle Höflichkeit wird auch als „Herzenshöflichkeit“ bezeichnet (vgl. das Taktgefühl). Der französische Moralist Joseph Joubert sagte dazu: „Für den Menschen ist seine Güte der schönste Schmuck, der ist nicht ausreichend Mensch, wer nicht ausreichend gut erzogen ist.“
Historisch entwickelte sich die Höflichkeit im Prozess der Zivilisation (Norbert Elias) im spätmittelalterlichen Übergang zur Neuzeit, zuerst bei Hofe, wo die Rohheit und Gewalttätigkeit des Feudaladels zur höfischen Courtoisie des Hofadels gebändigt wurde.
Einige wenige Beispiele von Höflichkeitsnormen, die in den meisten westlichen Gesellschaften allgemein gängig sind:
  • Andere nicht in Verlegenheit oder peinliche Situationen bringen; dazu gehört auch Zurückhaltung beim Ansprechen womöglich heikler Themen. (Drastisches Sprichwort: Im Haus des Gehenkten spricht man nicht vom Strick.) So hält man sich auch mit kritischen Meinungsäußerungen gegenüber anwesenden oder sogar abwesenden Personen zurück (unhöflich ist es zum Beispiel auch, ein Gespräch schnell auf den Klatsch hinzusteuern).
  • Anderen für etwas danken, aber einem Dank taktvoll ausweichen.
  • Andere begrüßen und sich von anderen verabschieden (siehe Gruß). Nichterwiderung eines Grußes wird als grobe Unhöflichkeit empfunden.
  • An Türen anklopfen und warten, bis der Eintritt gewährt wird; oder zurückhaltend auf die eigene Gegenwart aufmerksam machen (klassisch: hüsteln).
  • In alltäglichen Situationen werden ältere Menschen gegenüber rüstigeren Personen bevorzugt (vor-emanzipatorisch auch Frauen gegenüber Männern), als schwächer gesehene Menschen werden quasi ausgleichend bevorzugt (einen Sitz anbieten, Erfrischungen reichen, persönliche Begrüßung mehrerer).
  • Sich sprachlich in distanzierter und respektvoller Weise ausdrücken ohne Not keine groben Worte wählen.(Einige Sprachen unterscheiden in der 2. Person zwischen Höflichkeitsform („Sie“) und allgemeiner Form („Du“) bzw. eines vertraulichenSprachgebrauchs wie das Duzen.)

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