Donnerstag, 13. April 2017

EDV-Bildung im Umbruch



Schlüsselqualifikationen für die EDV-Bildung



Erste These
Schlüsselqualifikationen lassen sich erwerben. Sie bestehen in allgemeinen Fähigkeiten, Strategien, Regeln und Einstellungen, die bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb neuer Kompetenzen in möglichst vielen Inhaltsbereichen von Nutzen sind (z.B. Lernen lernen, kreatives Denken, Teamfähigkeit).

Folgende Ebenen sind zu unterscheiden. Schlüsselqualifikationen können verstanden werden als
  • Komponenten inhaltsspezifischer Expertise (z.B. Informatik, Schach, usw.),
  • als Komponenten bereichsspezifischen Wissens (z.B. naturwissenschaftliches Denken, experimentelle Methodik, usw.).
  • als allgemeine Kompetenzen jenseits inhaltsspezifischer Expertise und bereichsspezifischen Wissens (z.B. Strategien des Lernens aus Texten, Planungskompetenz, usw.).

Zweite These
Je allgemeiner eine Regel oder Strategie ist (d.h. in je mehr unterschiedlichen Situationen sie angewandt werden kann), um so geringer ist ihr Beitrag zur Lösung anspruchsvoller inhaltlicher Probleme.



Dritte These
Intelligentes inhaltliches Wissen ist eine notwendige Voraussetzung für die Lösung schwieriger Probleme und für den Erwerb neuer Kompetenzen in anspruchsvollen Inhaltsgebieten (vgl. dazu Anhang 1 sowie die Webseite "Lernziel: Intelligentes Wissen").



Vierte These
Je mehr jemand über sein Wissen weiß, um so mehr kann er es nutzen; je mehr jemand über sein Lernen, Denken und Arbeiten weiß, um so besser kann er neue Probleme lösen oder das notwendige Wissen dafür selbständig erwerben (metakognitive Kompetenzen).



Fünfte These
Schlüsselqualifikationen müssen in Verbindung mit dem intelligenten Erwerb flexiblen und reflexiv nutzbaren inhaltlichen Wissens aufgebaut werden. Dem Erlernen oder dem Training allgemeiner Strategien der Planung, Steuerung, Überwachung, Kontrolle und Selbstbeurteilung des Problemlösens und Lernens kommt wichtige, aber begrenzte Bedeutung zu.



Sechste These
Damit Schlüsselqualifikationen vermittelt und erworben werden können, muss inhaltsspezifisches Wissen prinzipien- oder regelorientiert, nicht aber faktenzentriert aufgebaut werden. Das Lernen muss aktiv, interaktiv, variabel, flexibel sowie produktiv sein. Es muss vom Erwerb metakognitiver Kompetenzen begleitet werden.



Siebte These
Selbständiges, selbstverantwortliches Lernen, Denken und Arbeiten hängen nicht nur von der Verfügbarkeit kognitiver Kompetenzen ab, sondern auch von der Stärke der Erkenntnismotivation, vom subjektiven Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit und von der Bereitschaft, kognitive Konflikte zu ertragen .



Achte These
Lernen und Leisten sind gleichermaßen wichtig. Unsere Schulen sind allerdings stärker leistungs- als lernorientiert. In Leistungssituationen wird demonstriert, was jemand kann. Fehler werden vermieden; man erzielt Erfolge oder erlebt Misserfolge. In Lernsituationen will man Neues erfahren; aus Fehlern und Irrtümern lernt man. Mitschüler sind hier nicht Konkurrenten, sondern Partner; Lehrer sind nicht Beurteiler, sondern Unterstützende.



Neunte These
Denken lernen, Lernen lernen und im Team arbeiten lernen sind nicht Aufgaben neuer Unterrichtsfächer, sondern anspruchsvolle Ziele aller Fachgebiete. Zu ihrer Verwirklichung sind Änderungen in den Lehrplänen, in der Lernorganisation und im Wissenserwerb erforderlich.



Zehnte These
Wendet man Theorien zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen auf die Probleme der allgemeinen und der beruflichen Bildung an, so ist offenkundig: Übereinstimmung in den Schlüsselqualifikationen ist nur auf einer sehr allgemeinen Ebene möglich (Erkenntnisinteresse, „Arbeitstugenden", allgemeine Planungs-, Handlungs- und Bewertungskompetenzen). In besonders wichtigen inhaltsspezifischen Bereichen ist nur die Gleichwertigkeit der Qualifikationen, nicht aber die Gleichheit möglich.




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